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Schtschelkalov in „Boris Godunow“
von Modest Mussorgski

*Mainz, Staatstheater*

  • 7.3.2020, 19.30 Uhr LETZTE VORSTELLUNG IN DIESER SPIELZEIT

Eine Uraufführung & einige Kunstlieder

„Licht, Lied, Ludwigskirche“, unsere Konzerte waren ein Fest für die Sinne. 14 Student*innen der Hochschule Rosenheim zauberten mit Licht, Elisabeth Seitenberger zauberte mit der Klarinette, ich durfte Lieder singen von Strauss, Reger, Wagner, Alma & Gustav Mahler.
Und: Es gab eine Uraufführung!
„La noche serena“, komponiert von Stephan Heuberger, der auch der Zauberer an der Orgel war.

Der Text des Stücks stammt von Juan de la Cruz, einem spanischen Mystiker, der im 16. Jahrhundert lebte. Im Gefängnis schrieb er seinen „Cantico Espiritual“, davon ist „La noche serena“ ein Ausschnitt. Wir haben uns gar nicht leicht getan, für den Titel eine passende deutsche Übersetzung zu finden. Das Wörterbuch (https://tinyurl.com/qmxv69o) bietet für „serena“ mehrere Bedeutungen an, von „heiter“, über „seelenruhig“ bis „unbeirrbar“.
Was meint ihr, passt am besten zu unserer Musik?
Die Fotos stammen übrigens von Maik Kern, Stefan Loeber, Isabell Lieb (Lichtwoche München) & von „unseren“ Studentinnen.

Kurzkritik Süddeutsche Zeitung:
Das Ende der Nacht

Gelungener Auftakt der Lichtwoche in Sankt Ludwig
von Klaus Kalchschmid

„Ein musikalisch-literarischer Abend, der sich als Auftakt zur 5. Lichtwoche München launig stabreimend „Licht, Lied, Ludwigskirche“ nennt, muss in der überfüllten Universitätskirche mit Wagner beginnen.
Schön, dass zur Eröffnung das erste seiner Lieder nach Gedichten von Mathilde Wesendonck („Der Engel“) mal nicht von einer Frau, sondern vom profunden Bassbariton Martin Busen gesungen wird. Und auch die Fassung der Klavierbegleitung für Orgel und Klarinette von und mit Stephan Heuberger überzeugt nicht nur klanglich.
Fast hätte man sich die vier Richard-Strauss-Lieder des Abends (darunter „Ruhe meine Seele“, „Heimliche Aufforderung“ und „Morgen“; letzteres auch in Max Reger-Vertonung) ebenso in einer solchen Bearbeitung durch Stephan Heuberger, den Organisten von St. Ludwig, gewünscht. Denn ein Flügel klingt in halliger Kirchenakustik doch ein wenig schwammig und verliert seine klangliche Kontur. Umso schöner kann die einsame Klarinette von Elisabeth Seitenberger mit Olivier Messiaens „Abîme des oiseaux“ durch den Raum wandern.
Auch mischen sich dort wunderbar Bassbariton und Orgel in Heubergers raffinierter Vertonung eines Textes von Juan de la Cruz unter dem Titel „La noche serena“.
Alma Mahlers „Die stille Stadt“ und „Um Mitternacht“ ihres Mannes fluten geradezu das Kirchenschiff. Bei der Lesung von Platons berühmtem Höhlengleichnis wähnt man sich beinah am Originalschauplatz. Denn dank einer Installation von Studierenden der TH Rosenheim gibt es in der dunklen Kirche ausnahmslos diffuses Licht. Gazebahnen und silberne Luftballons sind dazu verschiedenfarbig beleuchtet.
Und am Ende des Abends verbreitet ein Meer aus Kerzen vor-adventliche Stimmung.“

Es freut mich sehr, dass Stephan Heubergers Bearbeitungen von Wagners Wesendonck-Lied „Der Engel“ und Alma Mahlers „Die stille Stadt“ für Gesang, Klarinette und Orgel gut bei Kritik und Publikum ankamen.

Audio: Richard Wagner, „Der Engel“
Audio: Alma Mahler, „Die stille Stadt“

„…ein Lobgesang, aus Kindermund!“

So endet Alma Mahlers Lied „Die stille Stadt“. A propos Kindermund, für alle, die bis hierhin gelesen haben, gibt’s jetzt noch ein Bonbon.
1982 sang ich im Sopran des Tölzer Knabenchors beim „Weihnachtsoratorium“ (J.S. Bach), unter der Leitung von Nikolaus Harnoncourt (Orchester: Concentus Musicus Wien; Ort: Stiftskirche Waldhausen in Oberösterreich). Wer entdeckt den „kleinen Martin“? Kleiner Tipp: Besonders am Anfang aufmerksam sein!
Der Choral heisst übrigens „Brich an du schönes Morgenlicht“, das Stück passt also ganz und gar zu unserem Programm von „Licht, Lied, Ludwigskirche“.

Fröhliche Weihnachten!

Strauss & Reger … Licht, Lied, Ludwigskirche München

„…durch Dämmergrau in der Liebe Land, in ein mildes, blaues Licht.“

So endet das Lied „Traum durch die Dämmerung“ von Richard Strauss – das Changieren und Ineinanderfliessen von Farben hatte ich vor meinem inneren Auge, als ich dieses Lied in St.Ludwig gesungen habe. Wunderbar passte dazu die Lichtinstallation, die in der Guardinikapelle zu erleben war.

Audio: Richard Strauss, „Traum durch die Dämmerung“

„Und morgen wird die Sonne wieder scheinen…“ – der spirituelle Gehalt des Liedes „Morgen!“ von Komponist Strauss und Textdichter John Henry Mackay dreht sich um dieselben Themen, die auch in religiös-christlichen Liedern und Texten zum Advent zum Ausdruck kommen: Die Hoffnung auf die Wiederkehr des Lichts nach der Dunkelheit und die Sehnsucht nach Glück und Frieden.

Audio: Richard Strauss, „Morgen!“

John Henry Mackay, der sich für die Anerkennung der „namenlosen Liebe“, d.h. der gleichgeschlechtlichen Liebe einsetzte, verfasste neben politischen Schriften über den „Individualistischen Anarchismus“ auch einen Roman über eine Liebesbeziehung im Strichermilieu der schwulen Subkultur im Berlin der 20er-Jahre: „Der Puppenjunge“.
Viele seiner unter dem Pseudonym „Sagitta“ veröffentlichten Werke fielen den Bücherverbrennungen der Nazis zum Opfer.
Mit Mackay hatte Strauss zeitweise recht engen Kontakt, nahm einige seiner Gedichte als Textgrundlage für Lieder, so wie „Morgen!“ als eines der vier Lieder Opus 27, ein Hochzeitsgeschenk für seine Frau Pauline.
Auch Max Reger vertonte ein paar Jahre später „Morgen!“ – ebenso als Teil eines mehrteiligen Liedzyklus, geschrieben „im Glücksgefühl der Verlobungszeit“.

Audio: Max Reger, „Morgen!“
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